Willkommen im Rindergarten. 

Kein Tier ist für den Menschen ähnlich wichtig wie das Rind. Mehr als ein Drittel der Kalorien, die wir täglich zu uns nehmen, stammen vom Rind; über die Wege Fleisch und Milch. Über Jahrtausende haben sich die beiden Spezies nur in Abhängigkeit von einander entwickelt. Beim Menschen führte dies evolutionär zur Herausbildung der Laktoseverträglichkeit im Erwachsenenalter, beim Rind gar dazu, dass die Naturform, der Auerochse, ausstarb, und die Art nur noch domestiziert vorkommt.

Es gibt jedoch mehr und weniger domestizierte Rinderrassen. Die letzteren eignen sich besonders für eine extensive Haltungsform in ökologisch sensitiven Gebieten. Ordentlich gemanagt, fügen sich die Rinder dann nachhaltig in dieses Ökosystem ein. So wird ein vorher unproduktives Stück Land ökonomisch Nutzbar, und das ohne Schaden an der bestehenden Artenvielfalt zu verursachen.

Ein Betrieb, der diese Haltungsform praktiziert, ist die MURI GmbH im Biospärenreservat Spreewald, südöstlich von Berlin. Auf 1200 Hektar, die zu 1/5 aus Ackerland und zu 4/5 aus Grünland bestehen, leben ca. 1000 Rinder, hauptsächlich Mutterkühe und Kälber, jedoch auch 16 Bullen.

Die Bewirtschaftung erfolgt im Einklang mit den Erfordernissen der lokalen Artenvielfalt, und bietet vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten eine ökologische Nische. So garantiert z.B. der Verzicht auf eine mechanische Grünlandpflege nach dem 1. April, dass sich Bodenbrüter wie der Kiebitz ungestört vermehren können.

Viele der Flächen sind wegen der hohen Feuchte überhaupt erst ab Mitte Juni für die Landwirtschaft nutzbar. Daher entwickeln sie sich einen Großteil des Jahres in weitgehender Unabhängigkeit von menschlicher Einflussnahme.

Die Bodengüte im Biospärenreservat ist, gemessen an den Erfordernissen einer intensiven Landwirtschaft, sehr gering. Da im Biospärenreservat weder eine intensive Düngung noch eine Drainage erfolgen darf, ist Landwirtschaft im herkömmlichen Sinne hier ökonomisch nicht möglich. Für Erträge im wirtschaftlich tragbaren Bereich müsste hier massiv gedüngt werden. Der Verzicht auf eine intensive Düngung jedoch, wie ihn die Ökolandbaurichtlinie vorschreibt, resultiert in einem weniger dichten Abstand der Getreidehälme auf den Ackerflächen, was wiederum vielen Ackerwildkräutern günstige Habitatbedingungen ermöglicht.

Alternative Haltungsformen wie von der MURI GmbH praktiziert sind nicht nur eine wirtschaftlich tragbare Alternative, die die Artenvielfalt schützt, sondern ebenfalls ein enormer Fortschritt für das Tierwohl beim Nutzvieh: Anstatt kurz nach der Geburt getrennt zu werden, bleiben die Kälber 7-8 Monate bei ihrer Mutter. Die teilweise herzzerreißenden Szenen bei der frühen Trennung von Mutter und Jungtier in der herkömmlichen Landwirtschaft werden so vermieden. 

All diese Faktoren, plus die Praxis der Fütterung durch vor Ort erzeugtes Heu und wenig Kraftfutter, garantiert Rindfleisch von höchster geschmacklicher Qualität, welches sich mit den Premium-Importprodukten aus Argentinien und Brasilien messen kann.

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