Handwerkskammer Potsdam – Praktische Ausbildung für Brandenburgs Azubis

Auf dem Fahrrad gehen mir immer allerlei Gedanken durch den Kopf. Gerade habe ich das Ortseingangsschild von Groß Kreutz passiert und ich erinnere mich daran, wie ich 2017 hier einen der ersten Besuche auf den Spuren der EU-Förderung machte. Ich schwelge in Erinnerungen.

Würde ich mein Leben nochmal leben können, so würde ich mindestens zwei Entscheidung nochmal genauso treffen, wie ich sie bereits vor Jahren getroffen habe: Ich würde wieder einen Zivildienst leisten und ich würde mich wieder für eine Ausbildung entscheiden.

Meine Ausbildung hat viel bewirkt. Ich habe vom ersten Tag die Ärmel hochgekrempelt, habe gelernt Entscheidungen zu treffen und im Team zu arbeiten. Dabei habe ich in meinem Ausbildungsbetrieb jeden Tag wertvolle Praxiserfahrungen gesammelt, die mir bis heute helfen. Und um das Thema praktische Ausbildung, das vom ESF hier in Götz gefördert wird, geht es auch bei meinem heutigen Projektbesuch.

Das Zentrum für Gewerbeförderung Götz der Handwerkskammer Potsdam

Etwas verschlafen wirkt das 1500-Einwohner-Dorf Götz an diesem Morgen. Als ich in die Straße „Am Mühlenberg“ einbiege, bin ich erstaunt. Am Ende der Straße befindet sich ein großes und modernes Gebäude. Die Größe braucht das Zentrum für Gewerbeförderung in Götz allemal. Wären alle Auszubildenden, die hier wertvollen Praxisunterricht erhalten, gleichzeitig vor Ort, dann hätte Götz mit einem Schlag die vierfache Einwohnerzahl. Zum Glück ist das nie der Fall. Doch auf 36.000 Quadratmetern wird hier seit 1996 praktische Ausbildung in elf verschiedenen Fachrichtungen ermöglicht. Weiterhin werden in Götz auch diverse andere Bildungsangebote wie Weiterbildungen zum Kfz-Meister oder Existenzgründungsseminare ermöglicht. Doch heute geht es ausschließlich um die Ausbildung.

Praktische Ausbildung für Brandenburgs Azubis

„Etwa neun Wochen verbringen Auszubildende während ihrer gesamten Ausbildungszeit im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz“, erklärt mir der Geschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, Tilo Jänsch. Die Lehrgangsdauer beträgt meistens eine Woche am Stück. Im Fokus der Praxislerngänge stehen vielfältige Themen nach dem Rahmenlehrplan. Viele Ausbildungsbetriebe können keinen Rundumschlag aller notwendigen Praxisthemen vermitteln. Das hat unterschiedliche Gründe. Manche Betriebe sind einfach zu klein, haben nicht die notwendige Zeit oder nicht die entsprechenden Geräte und Maschinen. Andere Betriebe sind in ihrer Branche sehr spezialisiert und können nicht die ganze Bandbreite vermitteln. Daher hilft die praktische Ausbildung in Götz eine gewisse Vielfalt zu vermitteln und junge Menschen ideal für den Berufsalltag zu wappnen.

In anderen Fällen werden auch sehr übungsintensive Inhalte im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung vermittelt. Auszubildende z.B. aus dem Metallbaubereich kommen dann nach Götz, lernen und trainieren das Schweißen und gehen dann zurück in die Betriebe. Auf den vorhandenen Fertigkeiten baut der Ausbildungsbetrieb auf. Das entlastet die Ausbildungsbetriebe und hilft eine gewisse Qualität in der Ausbildung sicherzustellen.    

ESF fördert die Fachkräfte von morgen

Etwa 450 Euro kostet eine Ausbildungswoche im Zentrum für Gewerbeförderung. Im Rahmen der gesamten Ausbildung entstehen so Kosten von über 4.000 Euro, die ein Ausbildungsbetrieb alleine gar nicht tragen kann. Daher werden die Kosten gedrittelt. Ein Drittel übernimmt der Bund, ein weiteres Drittel wird vom Land Brandenburg über den ESF gefördert und das letzte Drittel zahlt der Ausbildungsbetrieb selbst. So wird neben der Hilfe in der Wissensvermittlung am Auszubildenden ein Ausbildungsbetrieb auch finanziell entlastet.

„So unterstützen wir die Betriebe, minimieren die Ausbildungskosten, damit die Betriebe weiter animiert werden Jugendliche auszubilden und den Fachkräftenachwuchs von morgen zu sichern“, sagt Tilo Jänsch.