Ein intelligentes Fahrradschloss aus Brandenburg

Es war der große Schockmoment im letzten Jahr: Mein Fahrrad wurde geklaut. Mein geliebtes E-Bike war einfach weg und blieb spurlos verschwunden. Zum Glück hatte der Fahrradhersteller gleich Ersatz und die Tour ging weiter. Doch irgendwie blieb ein ungutes Gefühl.

Wie kann ich mein Fahrrad besser schützen? Und wie kann man den Prozess des Fahrradsicherns einfacher gestalten? Unzählige Male hielt ich auf der einmonatigen Tour im letzten Jahr an, sicherte mein Fahrrad mit einem Schloss, erledigte etwas, um nur kurze Zeit später das Schloss wieder aufzuschließen. Schon irgendwie nervig. Ein ganzes Jahr später weiß ich nun, dass das einfacher geht.    

Ein Fahrradschloss aus Brandenburg an der Havel

Mein Weg führt mich nach Brandenburg an der Havel. Ich bin auf dem Weg zu Christian Anuth. Der sympathische 34-Jährige hatte vor fünf Jahren zusammen mit zwei Kommilitonen eine geniale Idee. Genauso wie ich vom Sichern und Entsichern meines Fahrrads genervt bin, erging es damals auch den jungen Gründern.

Im Unialltag ist man viel unterwegs. Zwischen verschiedenen Hörsälen, auf dem Weg zur Bibliothek, der Kantine, zum Supermarkt oder nach Hause. Ein Fahrrad sollte genauso einfach zu sichern sein wie ein Auto, dachten die drei sich. Sie entwickelten im Rahmen des Unikurses „Businessplan erstellen“ einen Geschäftsplan für ein innovatives Fahrradschloss, das automatisch schließt und öffnet.

Die Idee kam gut an und räumte im Oktober 2013 den Innovationspreis der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) ab. Christian muss schmunzeln, als er von diesem Erlebnis erzählt. Damals bestand das Fahrradschloss lediglich aus Styropor. Eine rot blinkende LED war das einzige Feature. Es stand nur die Idee.

Der Weg zum fertigen Produkt mit dem Namen I LOCK IT war lang und schwer. Zunächst wurde die Idee vom Zentrum für Gründung und Transfer der THB gefördert. Von Oktober 2014 bis Oktober 2015 wurden die drei Gründer vom EXIST-Gründerstipendium unterstützt. EXIST ist u.a. vom ESF gefördert und hilft dabei innovative Ideen umzusetzen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Sicherung des persönlichen Lebensunterhalts. Der war bei Christian und seinen Mitgründern nicht immer gegeben. Es gab Zeiten, in denen die Gründer alles zusammenkratzen mussten, was ihnen blieb. In dieser Phase verließ auch einer der Mitgründer das Unternehmen.

Im Mai 2016 sammelte das junge Unternehmen auf kickstarter.com 168.850 Euro. Das Geld reichte aus, um Werkzeuge zu produzieren. Doch um die Produktion zu starten, war ein Investor notwendig, der in der Firma Wirthwein gefunden wurde. Die Produktion konnte starten. Heute werden pro Monat und je nach Saison einige Hundert I LOCK IT bestellt und ausgeliefert. 

Praktisch und sicher: Diese wichtigen Vorteile hat I LOCK IT

I LOCK IT ist ein Rahmenschloss und verschließt und öffnet dein Fahrrad vollautomatisch über eine Bluetooth-Verbindung mit deinem Smartphone. Alternativ kannst du das Schloss auch über einen kleinen Handsender bedienen oder über einen Farbcode öffnen. So besteht auch die Möglichkeit dein Fahrrad Freunden zu leihen, ohne einen Fahrradschlossschlüssel oder dein Smartphone rausgeben zu müssen.

Soll dein Fahrrad mal über Nacht oder etwas länger draußen stehen, kannst du das Rahmenschloss mit einem Einsteckkabel oder einer Einsteckkette erweitern. So kannst du dein Fahrrad zusätzlich an einem befestigten Gegenstand sichern.

Damit ein Diebstahl deines Fahrrads erschwert wird, besitzt I LOCK IT eine Alarmfunktion. Sobald Erschütterungen auftreten, schreckt ein 110 dB lauter Alarm potentielle Diebe ab. Parallel dazu bekommst du eine Push-Nachricht auf dein Smartphone. 

Falls dein Fahrrad keine Befestigungsmöglichkeit am Rahmen hat, hilft die Anbauhilfe (ganz unten). Links siehst du eine Einsteckkette, die sich mit dem Schloss kombinieren lässt. 

Vieles aus der Region, alles aus Deutschland

Nachdem Christian mir I LOCK IT gezeigt hat, fahren wir an den Stadtrand von Brandenburg zu Fliedners. Fliedners gehört zum Landesausschuss für Innere Mission und ist ein diakonischer Träger, der sich für Menschen mit Behinderungen engagiert. In diversen Werkstätten werden hier Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Wir passieren einige Gänge und erreichen schließlich die Werkstatt, in der alle Einzelteile von I LOCK IT verschraubt werden. Es ist ruhig an diesem Nachmittag. Die geplanten Stückzahlen vom Fahrradschloss sind bereits produziert, also legt Christian selbst Hand an und zeigt mir, wie das Schloss montiert wird.

„Vieles stammt aus der Region, alles aus Deutschland“, sagt Christian. Hier in der Nähe werden die Plastikelemente für das Schloss gespritzt, die Elektronik stammt aus Magdeburg und die Metallbügel werden in Chemnitz produziert.  

Was bringt die EU-Förderung?

Die haveltec GmbH, das Unternehmen hinter dem Produkt I LOCK IT, wurde durch zwei EU-Fonds gefördert.

Vom EFRE erhielt haveltec Unterstützung bei der Entwicklung des Prototypen und sorgte für die Anschaffung von Softwarelizenzen. Das Prozedere funktioniert so, dass nach der Beantragung und Genehmigung der Förderung ein Zuwendungsbescheid bei Christian einging. Er gibt Auskunft über die Höhe der finanziellen Mittel, die zur Verfügung stehen. Nach jeder getätigten Anschaffung reicht Christian nun die Kosten inkl. Rechnung und weiterer Unterlagen beim EFRE ein und bekommt den gleichen Betrag auf das Firmenkonto überwiesen. „Das ist viel Arbeit, um Missbrauch der Fördermittel zu vermeiden“, weiß Christian und wünscht sich dennoch, dass es manchmal einfacher wäre. Für den ganzen bürokratischen Aufwand könnte er inzwischen fast jemanden einstellen. Außerdem muss er alle Ausgaben vorfinanzieren. Somit ist er trotz der Förderung immer in der Not liquide zu sein.

Von den Fördermitteln des ESF konnte Christian zwei Werkstudenten einstellen. Das Programm „Brandenburger Innovationsfachkräfte“ gibt es nur für innovative Unternehmen und stellt Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Beschäftigten hingegeben bekam Einblick in ein junges Start-up. Win-win-Situation für beide Seiten.

Und was ist mein Fazit?

Durch die regionale Produktion und die Unterstützung der Arbeit für Menschen mit Behinderungen ist das Unternehmen eine große Bereicherung für die Region und das Bundesland Brandenburg. Ich wünsche mir, dass auch bei wachsenden Bestellmengen weiterhin so regional produziert werden kann. Viel Erfolg dir und deinem Team, Christian!