Presseinformationen zum Testimonialprojekt in Bad Belzig | Potsdam-Mittelmark

Hier bin ich keine Nummer, hier bin ich Mensch - EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

3,1 Milliarden Euro werden in dieser Förderperiode in die Zukunft Brandenburgs investiert, um die unterschiedlichsten Projekte im Land zu fördern.


Unternehmensförderung, Unterstützung von Arbeitssuchenden, Forschungsprojekte, Mo-dernisierung im ländlichen Raum: Mehr als 22.000 Projekte und mehr als 400.000 Menschen in Brandenburg haben durch den Europäischen Sozialfonds (ESF), den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) profitiert. Wie vielfältig diese Projekte sind und warum dabei jeder in Brandenburg profitiert, erfahren Sie in dieser Serie – heute wird das Wanderkompetenzzentrum aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark vorgestellt.


AUCH GANZ SCHÖN: Der Landkreis Potsdam-Mittelmark bietet durch seine reiche Naturausstattung die besten Voraussetzungen, den naturnahen Tourismus zu stärken. Das Projekt Wanderkompetenzzentrum unterstützt ihn dabei. Die Umsetzung des Projektes erfolgt durch langzeitarbeitslose Frauen und Männer. Unter dem Motto aktiv für die Region – aktiv die eigene Zukunft gestalten werden sie bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützt.


Kristin Brauns vom Arbeits– und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark e.V. hat das Wanderkompetenzzentrum im Rahmen des Regionalbudgets V des Landkreises Potsdam-Mittelmark  ins Leben gerufen. Die Projektleiterin erläutert im Interview ihre Beweggründe und die Ziele des Projektes.

Was genau verbirgt sich hinter dem Namen Wanderkompetenzzentrum?
Brauns
: Das Wanderkompetenzzentrum ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter/MAIA Potsdam-Mittelmark, in dem die teilnehmenden Langzeitarbeitslosen, ALG II Empfänger, verschiedene Bildungsmodule - u.a. im Bereich der Wanderwegenetzgestaltung - durchlaufen. Das Projekt gibt es seit März 2012. Vorrangiges Ziel ist die Eingliederung der Teilnehmenden in den ersten Arbeitsmarkt. Es wird vom Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein PM e.V. getragen und zu großen Teilen aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert.

Was ist das Besondere am Wanderkompetenzzentrum?
Brauns
: Das Wanderkompetenzzentrum ist ein ganz lebensnahes Projekt. Durch den Ausbau der Wanderwege steigt die Qualität der Wanderregion und die Wirtschaft im Landkreis wird gestärkt: Unsere Region wird zunehmend auch von Bürgern anderer Bundesländer besucht. Dass das Projekt dabei zusätzlich Langzeitarbeitlose unterstützt, macht die Besonderheit des Projektes aus. Am wichtigsten ist mir als Projektleiterin, dass die Teilnehmenden ernst genommen werden und im Mittelpunkt stehen. Wir arbeiten sehr eng mit ihnen zusammen, wodurch eine persönliche Vertrauensbasis entsteht. Dadurch ist es uns möglich, eine individuelle Hilfestellung zu bieten.

Wie genau kann man sich die Arbeit der Teilnehmenden bei Ihnen vorstellen?
Brauns
: Es gibt sowohl einen praktischen als auch einen theoretischen Arbeitsbereich, um die weitere Umsetzung des Konzepts der regionalen und überregionalen Wanderwege des Landkreises Potsdam-Mittelmark zu unterstützen. Es ist uns sehr wichtig, dass die Teilnehmenden beide Bereiche ausprobieren. So können Stärken und Schwächen herausgefunden werden und manch einer entdeckt ein Talent, von dem er zuvor nichts wusste. Der praktische Teil besteht zum Beispiel aus der Überprüfung der Wanderwege direkt vor Ort. Beispielsweise werden die Markierungszeichen an den Bäumen oder die Beschilderung überprüft bzw. erneuert. Im theoretischen Teil werden die Wege anhand eines Kriterienkataloges des deutschen Wanderverbandes geprüft, um Vorschläge zur Qualitätssteigerung zu erarbeiten. Dafür sind unsere Computer mit speziellen Fachprogrammen ausgestattet.

Inwiefern unterstützen Sie hinsichtlich der Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt?
Brauns
: Die Teilnehmenden bekommen fachliche Schulungen u.a. von den Kollegen des Deutschen Wanderverbandes. Die Arbeit bei uns bietet eine sinnvolle Beschäftigung auf dem Weg hin zur Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Zudem bringt die Arbeit einen Nutzen für den gesamten Landkreis Potsdam-Mittelmark, der dadurch aufgewertet wird. Ihre Tätigkeit wird von der Bevölkerung wahrgenommen und anerkannt. Das merken natürlich auch unsere Teilnehmenden, die sich persönlich weiterentwickeln.

Zusätzlich vermitteln wir jederzeit betriebliche Praktika, die dann auch in eine Festanstellung führen können. Bei den bisher 78 vermittelten Praktika gab es 14 Übergänge in sozialversicherungspflichtige Jobs und drei Übergänge in eine Ausbildung.

Ferner organisieren wir Vorträge in unserem Haus, die persönliche Problematiken aufgreifen.

Was bedeutet die Förderung durch die EU für das Projekt?
Brauns
: Wir konnten dadurch die Qualität des Wanderkompetenzzentrums deutlich verbessern. Viele Angebote können wir nur dadurch bereitstellen. Es ist wichtig, dass in den Menschen investiert wird. Die Erfolge des ESF zeigen sich schon dadurch, dass die Langzeitarbeitslosen hier Bezugspersonen finden, Freundschaften schließen. Sie bauen sich eine Netzwerkstruktur auf und finden wieder Halt.

Das Projekt läuft bis Februar 2014. Wie geht es dann weiter?
Brauns: Mithilfe der EU konnte eine gute Basis geschaffen werden. Es ist mein Wunsch für die Zukunft, das Wanderkompetenzzentrum im Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark e.V. als ein weiteres wirtschaftliches Standbein zu etablieren, um auch für ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer langfristig Beschäftigungsperspektiven zu eröffnen.


Matthias Kuhlbarsch ist ein ehemaliger Teilnehmer des Wanderkompetenzzentrums. Er erzählt uns über seine Arbeit in dem Projekt.

Was ist das Schönste, das Sie im Rahmen des Projektes erlebt haben?
Kuhlbarsch: Ein Highlight war meine Mitarbeit am 112. Deutschen Wandertag 2012, der hier bei uns in der Region Fläming stattgefunden hat. Wir haben die Wanderrouten nach den gültigen Kriterien geprüft, beim Festumzug unterstützt und noch vieles mehr. Danach zu sehen, was wir geschafft hatten, war absolut motivierend für uns alle.

Würden Sie die Teilnahme weiter empfehlen?
Kuhlbarsch: Absolut! Ich habe viel an Lebenserfahrung gewonnen. Durch die Projektleitung und die Schulungen bekommen die Teilnehmer sehr kompetente Hilfe. Ich schätze besonders die familiäre Atmosphäre – hier bin ich keine Nummer, hier bin ich Mensch. Das hat mir ein ganz anderes Lebensgefühl verschafft. Durch die Arbeit im Projekt habe ich einen Job gefunden, ich führe eine Qualitätsanalyse und Zertifizierung eines Wanderweges durch.

Ist Ihnen bekannt, dass das Projekt von der EU gefördert wird?
Kuhlbarsch: Ja, es ist allen Teilnehmern bewusst, dass es das Projekt ohne die Förderung nicht geben würde. Sie bringen der Region viele Vorteile.


Der ESF in Brandenburg:

In den Jahren 2007 bis 2013 erhält Brandenburg rund 620 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds. Das Geld wird vor allem für Projekte und Maßnahmen verwendet, die Menschen unterstützen, z. B. bei der Berufsorientierung und beim Berufseinstieg, bei der Qualifizierung und Existenzgründung, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder um Wege aus der Arbeitslosigkeit zu finden. Dabei wird verstärkt „gute Arbeit“ gefördert, das heißt Arbeitsplätze, von denen die Beschäftigten und ihre Familien auch leben können.


Der Nutzen für die Region:

„Mit der unterstützenden Arbeit zur Umsetzung einer qualitativ hochwertigen Wanderwegeinfrastruktur leistet das Projekt aus dem Regionalbudget V des Landkreises Potsdam-Mittelmark für den Tourismus in der Region einen wichtigen Beitrag“, so Brauns. Der Naturreichtum des Landkreises Potsdam-Mittelmark lockt vor allem Bewohner aus Berlin und Potsdam sowie aus den Ballungszentren Magdeburg und Dessau. „Wir sorgen für ein ausgebautes Wanderwegenetzwerk und die hohe Qualität der Wege. Dadurch kommen auch immer mehr Wanderer aus entfernten Regionen, um die Natur hier zu genießen.“, erklärt Brauns.


Der Nutzen des ESF für die Menschen:

„Mit dem ESF investiert die EU in die Menschen. Das ist sehr wichtig, denn es eröffnet ihnen berufliche Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig bauen Langzeitarbeitslose sich eine Netzwerkstruktur auf und finden wieder Halt.“, erläutert Brauns.