Testimonialprojekt in Cottbus

Der Sonne entgegen

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro können in der aktuellen Förderperiode (2007 bis 2013) aus den EU-Fonds EFRE, ELER und ESF in die Zukunft Brandenburgs fließen. Neben dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) ist der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) einer der wichtigsten drei EU-Strukturfonds, die in Brandenburg viel bewirken. Der EFRE wird genutzt, um Brandenburg wettbewerbsfähiger zu machen. Die Fördermittel können – ergänzt um nationale, regionale und private Eigenmittel – vor Ort für Projekte eingesetzt werden, die das Land voranbringen. Die Entscheidung, welche Projekte förderwürdig sind, wird direkt in Brandenburg getroffen.


Das Projekt „e-SolCar“ an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg entwickelt zeitgemäße Lösungen für gleich zwei wichtige Probleme der Energiewende. Zum einen ist Strom noch nicht in großen Mengen speicherbar, weswegen mindestens so viel erzeugt werden muss, wie gebraucht wird. Genau das ist bei Erneuerbaren Energiequellen aber schwierig, da deren Leistung ja auch von der Natur abhängt. Zum anderen sind Elektroautos immer noch nicht so wirtschaftlich wie konventionelle Fahrzeuge, die dafür einen hohen CO2-Ausstoß haben. Bis zum Jahr 2020 sollen trotzdem eine Million „e-Cars“ auf Deutschlands Straßen unterwegs sein – die neue Technik muss also im Massenmarkt ankommen.

In Cottbus arbeitet ein Verbund aus drei Projektpartnern daher gleichzeitig an Technologien für effiziente Elektromobilität und an neuen Speichermethoden, die künftig das Wirtschaften mit Erneuerbaren Energien erleichtern. Ihre „e-SolCars“ sind nicht nur schnittige Elektroautos, die mit Sonnenstrom betankt werden, sondern auch mobile, dezentrale Batterien, die Schwankungen im Stromnetz ausgleichen können. „Die Projektziele sind klar“, erklärt Projektkoordinator Dr.-Ing. Artur Napierala von der Universität Cottbus. „Unser Schwerpunkt ist die Forschung, Vattenfall als Stromkonzern möchte wissen, wie es um die Alltagstauglichkeit dieser Form der Stromversorgung bestellt ist, und die Entwicklungsgesellschaft German E-Cars will mehr über die Fahrzeugtechnik herausfinden.“

Langfristiges Ziel sei die Marktreife, sagt der Koordinator. „Wir wollen herausfinden, wie kompatibel die Kombination von Photovoltaik und Elektromobilität im Stadtverkehr ist. Aus diesen Erkenntnissen wollen wir dann neue Produkte entwickeln. Da sind wir sehr weit vorne dabei. In Deutschland gibt es kein vergleichbares Projekt“, betont Napierala. Das Beste an ihrer Arbeit sei, dass sie „sehr innovativ“ ist, da die Kompetenzen aller Beteiligten gebündelt werde, ergänzt er, und man merkt ihm die Begeisterung über die reibungslose Zusammenarbeit der Partner an.

Seit Juni 2010 forschen Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Harald Schwarz, Projektkoordinator Artur Napierala und ihr Team an flexiblen, wirtschaftlichen Elektroautos. Schwarz, hauptamtlicher Leiter des Cottbussr Lehrstuhles für Energieverteilung und Hochspannungstechnik, hatte damals die zündende Idee, zusammenzubringen, was zusammenpasst. Das Solarkraftwerk hatte die BTU Cottbus schon auf dem Campus, Vattenfall brachte technisches Wissen über Einspeisung und Speicherung des Sonnenstroms mit. Auf einer Messe hat Schwarz dann German E-Cars mit ins Boot geholt. Das kleine Unternehmen übernahm die Umrüstung der Autos und richtete dafür einen neuen Standort in der Lausitz ein.

Infrastruktur und Planstellen für das Projekt – mindestens neun, verteilt auf die drei Träger – werden mittels Förderung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Ohne diese Unterstützung wäre es nicht gegangen, sagt Napierala. Die Investition zahlt sich langfristig aus, einerseits als Beitrag zur notwendigen Erforschung und Entwicklung von Elektromobilen, andererseits auch ganz konkret für die Region. „Wenn das Projekt ein Erfolg wird, springt sicherlich etwas für die hiesige Wirtschaft heraus“, klinkt sich Projektmitarbeiter Lothar Kleinod in das Gespräch ein. „Die Ladesäulen für unsere Testflotte kommen zum Beispiel von einem regionalen Unternehmen.“ Artur Napierala pflichtet ihm bei: „Auch die Betriebsstätte von German E-Cars ist hier angesiedelt und beschäftigt Brandenburger. Das sind unsere Leute, die die Erkenntnisse aus dem Projekt umsetzen und weiterentwickeln. Und das soll hier bleiben, nach dem Motto: Elektromobilität – Made in Brandenburg! Das ist das Ziel.“

Auf dem Weg dorthin werden Kleinod und Napierala aber noch einige verwunderte Blicke ernten. Beide Projektbeteiligte wurden auch als Testfahrer ausgewählt und legen ihren täglichen Arbeitsweg mit den Versuchsfahrzeugen zurück. „Als ich zum ersten Mal mit einem elektrischen Sportwagen gestartet bin, dachte ich, ich fliege, so schnell fahren die los“, erinnert sich Napierala. Lothar Kleinod nickt zustimmend: „Man kann sehr gut losspurten an der Kreuzung. Vom Fahrverhalten gibt es keinen nennenswerten Unterschied zu einem Benziner.“

Dafür umso mehr hinsichtlich der Energieversorgung. „Manchmal fahre ich zur Tankstelle, um für meinen konventionellen Wagen Diesel zu holen“, erzählt Kleinod schmunzelnd. „Dann habe ich nur einen kleinen Kanister bei mir und alle Umstehenden gucken fragend, warum ich denn nicht tanke.“ Ähnliches hat auch Napierala erlebt. „Die Passanten hören das Auto nicht kommen, und dann merkt man, dass sie sich plötzlich umschauen. Für viele ist es immer noch etwas Neues und Ungewohntes.“ Den beiden Männern macht es sichtlich Spaß, Vorreiter zu sein und die Menschen der Region mit der modernen Technik zu verblüffen. Doch in den letzten Jahren habe sich viel getan, ergänzt Kleinod und zeigt sich überzeugt, dass man sich bald daran gewöhnen wird. Bis es soweit ist, fährt die Zukunft aber noch exklusiv über die Straßen der Lausitz.