Testimonialprojekt in Eberswalde

Gemeinsam von den Bäumen lernen

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro können in der aktuellen Förderperiode (2007 bis 2013) aus den EU-Fonds EFRE, ELER und ESF in die Zukunft Brandenburgs fließen. Neben dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) ist der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) einer der wichtigsten drei EU-Strukturfonds, die in Brandenburg viel bewirken. Der EFRE wird genutzt, um Brandenburg wettbewerbsfähiger zu machen. Die Fördermittel können – ergänzt um nationale, regionale und private Eigenmittel – vor Ort für Projekte eingesetzt werden, die das Land voranbringen. Die Entscheidung, welche Projekte förderwürdig sind, wird direkt in Brandenburg getroffen.


Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde liegt im bundesweiten Vergleich der Fachhochschulen weit vorne, wenn es um aktive Forschung geht. Das Know-How, das sie aufbaut und vermittelt, strahlt in die ganze Region und weit ins Land Brandenburg aus, da insbesondere kommunale Unternehmen davon profitieren, wenn sie gut ausgebildete Mitarbeiter "direkt vor der Haustür" finden. Mit angetrieben wird dieser Wirtschaftsmotor von insgesamt 44 Projekten, die durch EU-Fonds gefördert werden, beispielsweise dem Neubau eines Hörsaals, der technischen Ausstattung von Laborräumen oder der IT-Infrastruktur für e-Learning.

Eine dieser zahlreichen Maßnahmen ist das Verbundprojekt "ZIM AgroForst", das die Wechselwirkungen zwischen dem Wasserhaushalt einer bestimmten Gegend und dem Wachstum von Bäumen untersucht. "In Brandenburg gibt es zwei Extreme", erklärt Projektmitarbeiter Dr. Markus Schmidt. "Einmal sehr trockene, sandige Standorte auf Kuppen und dann eher nasse Gebiete in Senken, wo sich das Wasser staut." Nicht jede Pflanze sei so ausdauernd, tiefe Wurzeln zu schlagen, um unabhängiger vom Regenwasser zu werden. Das bedeutet, dass Landwirte, die Nutzgehölze anbauen und Ernteverluste vermeiden wollen, viel Aufwand dafür betreiben müssen, die Wasserzufuhr zu kontrollieren und zu regulieren.

Hier setzt die Forschung des AgroForst-Projektes an. Das mittelständische Unternehmen ZIM Plant Technologies aus Hennigsdorf produziert Messfühler, die den Sättigungsgrad der Pflanzen bestimmen, also feststellen können, ob zu viel oder zu wenig Wasser in den Zellen ist. Auf speziellen Versuchsflächen in der Uckermark dokumentieren die Forscher der HNE dann Vorgänge inner- und außerhalb der Bäume. So verschaffen sie sich ein Bild davon, welche Faktoren mit dem Wasserstand zusammenhängen und wie die Pflanzen damit umgehen. Auf sogenannten Schnellwuchsplantagen kann die Landwirtschaft dank dieser Forschungsergebnisse präziser wirtschaften und Wasser, Dünger und Energie einsparen.

Nicht nur darum ist diese Agrarform umweltfreundlicher, wie Projektleiter Dr. Dieter Murach begründet: "Wir haben mit unseren Plantagen eine Reihe von ökologischen Vorteilen gegenüber jeder anderen landwirtschaftlichen Biomasse. Schnellwuchsplantagen entziehen dem Boden am wenigsten Nährstoffe, viel weniger als etwa Mais oder Getreide. Dadurch ist dann der Stickstoffbedarf in der Düngung wesentlich geringer und die CO2-Bilanz viel besser. Zudem hat man keine bodenwühlenden Maßnahmen, also auch keine Probleme mit Erosion. Wir füllen mit dem Projekt also eine Nische zwischen Landwirtschaft und Naturschutz."

In der Region Eberswalde habe die HNE in den letzten zehn Jahren zahlreiche dieser Plantagen angelegt und begleitet, berichtet Projektmitarbeiter Dr. Schmidt. Brandenburg sei einer der Vorreiter bei dieser Form des Anbaus, insbesondere bei Weiden und Pappeln. Aus diesen schnell wachsenden Baumarten wird Holz als Baustoff oder als Energieträger gewonnen. "In Deutschland haben wir rund 5.000 Hektar solcher Schnellwuchs-Flächen", ergänzt Dr. Murach, "davon befinden sich 40 % in Brandenburg. In diesem Sinne ist das Land schon führend."

Einleuchtend also, dass auch in Brandenburg an der Weiterentwicklung dieser Bewirtschaftung geforscht wird, wobei die Ergebnisse nicht nur der Region dienen, sondern auf geologisch ähnliche Gebiete in der ganzen Welt übertragen werden können – schließlich steht das Forschungsthema im immer wichtigeren Kontext der globalen Wasserwirtschaft. "Wir wollen unsere Erkenntnisse auch nicht in einem abgeschlossenen Kreis sammeln, sondern in die Lehre einfließen lassen", so Dr. Murach. Dreißig bis vierzig studentische Hilfskräfte sind daher jedes Jahr am Projekt beteiligt, sie unterstützen die zehn festen Mitarbeiter. Jene seien dringend notwendig, sagt der Projektleiter: "Ich kann ja nicht jedes Jahr mit komplett neuer Besetzung starten, da geht ja das ganze Know-How flöten."

Finanziert wird das Projekt mit seinen Planstellen zu einem wesentlichen Teil durch den EFRE, den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. "Mein Jahresetat von der Fachhochschule liegt bei 700 Euro. Alles, was darüber hinausgeht, sind Drittmittel, die für die Grundversorgung enorm wichtig sind", betont Dr. Murach. Ein Weg zu diesen wertvollen Drittmitteln ist etwa Auftragsforschung, die für zahlende Unternehmen durchgeführt wird. "Aber auch die EU-Fördermittel sind eine wesentliche Hilfe. Ohne die wäre es gar nicht gegangen."

Etwa ein Jahr habe der Förderprozess gedauert, die Zusammenarbeit mit den Ansprechpartnern sei dabei "phantastisch" gewesen, erinnert sich der Projektleiter mit einem Lächeln. Von den EU-Fonds erfahren habe er durch eigene Recherche und gute Vernetzung. "Wenn man in der Forschung tätig ist, muss man sich schon ein bisschen umhören und selbstinitiativ werden. Speziell bei diesem Projekt war es außerdem so, dass wir ein großes Interesse an den Messinstrumenten von Herrn Zimmermann bei der Firma ZIM hatten – und Herr Zimmermann war ganz angetan von unseren Fragestellungen und Versuchsobjekten. So ist dann das Verbundprojekt entstanden."