Testimonialprojekt in Alt-Zauche | Spreewald

Gemeinsam mit den Kindern für unsere Zukunft – für unsere Region

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

3,1 Milliarden Euro werden mit den EU-Fonds in der Förderperiode 2007 - 2013 in Brandenburg investiert. Allein mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden tausende Projekte gefördert. Beim ESF geht es immer darum, in Menschen und ihre Qualifikationen zu investieren. Neben dem ESF gibt es den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (EFRE).


In der Lernwerkstatt "Spreewälder Holzwürmer" in Alt-Zauche können Mädchen und Jungen, die den Anschluss an die Regelschule verloren haben, ihre Berufsbildungsreife erreichen. 2001 wurden beim Schulverweigerungsprojekt des ASB KV Lübben e.V. auf Initiative des staatlichen Schulamtes in Zusammenarbeit mit dem ASB Lübben und der Gesamtschule Groß Leuthen erste Anfänge und Schritte gemacht. Die Lernwerkstatt als integriertes Projekt von Jugendhilfe und Schule mit seiner jetzigen konzeptionellen Ausrichtung wird seit 2003 durch den Europäischen Sozialfonds gefördert. Zwei Pädagogen und eine pädagogische Begleitperson sowie ein Lehrer der Kooperationsschule "Ludwig Leichardt-Oberschule Goyatz" arbeiten gemeinsam mit den Kindern zwischen 14 und 17 Jahren intensiv an der Sicherung ihrer Zukunft.

Das Konzept ist einfach: Den Jugendlichen werden Angebote unterbreitet, die sich an deren Bedürfnissen orientieren. Wichtig ist es, den Kindern Halt zu geben und ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Beachtet wird insbesondere die Einhaltung eines strukturierten Tagesablaufs. Dabei werden neben den obligatorischen Unterrichtsstunden und Praxiseinheiten auch gemeinsame Mahlzeiten ganz groß geschrieben. "Durch praktische Ergebnisse den Lernerfolg sichern" – dieses Motto wird in allen Facetten des Projektes spürbar. "Erst einmal schauen wir uns die Neigungen an, so dass wir ein Vertrauensverhältnis aufbauen können – Musik, Schachspielen, Zeichnen, Kommunizieren – darüber kann man dann einen super Zugang zu den Jugendlichen schaffen", macht Werkpädagoge Ronald Görick deutlich.

Wichtig ist auch der Unterricht in kleinen Gruppen. Es sind maximal sieben Schüler in der Schule - weil immer nur ein Jahrgang vor Ort ist, während der andere im Praktikum ist. Am Mittwoch erfolgt jeweils der Wechsel. Im Unterricht kann die Klassenstufe noch einmal geteilt werden, so dass sich zwei Pädagogen intensiv um drei bis vier Schüler kümmern können. Dabei wird nicht nur das Lernen wieder gelernt, sondern es werden ganz grundsätzliche Bedürfnisse erfüllt: zum Bespiel die Bereitstellung einer verlässlichen Bezugsperson, der man im Vertrauen auch mal was erzählen kann. Das "ermöglicht ein ganz anderes Arbeiten und ein ganz anderes Verhältnis zu den Schülern, als dies in einer Regelschule möglich ist", erklärt Antje Streich, die Verantwortliche für die fachliche und pädagogische Gestaltung.

In der Kreativwerkstatt entstehen die inzwischen sehr begehrten Holzfiguren. "Die Jugendlichen messen die Schablonen alleine aus, schneiden sie zu und müssen beachten, dass sie sparsam mit dem Material umgehen. Auf diese Weise lernen die Schüler gleichzeitig – direkt an anschaulichen Beispielen - Grundlagen der Mathematik – praktisch sozusagen", versichert Ellen Härtel, finanzielle Koordinatorin und Mitglied der Geschäftsleitung des ASB Lübben. Ein ähnlich pragmatisches Interesse wird mit der Computer-AG verbunden: Computer werden durch die Schüler selbstständig – vom kleinsten Einzelteil an – zusammengesetzt. Schließlich wird daran Englisch gepaukt, gelernt, geschrieben oder an einer Präsentation gefeilt.

Das Herzstück der Spreewälder Holzwürmer ist die Holzwerkstatt. "Bevor die Kids hier ran dürfen, müssen sie erst einmal Maschinenscheine machen – bevor man mit einer Klappsäge arbeiten darf, gilt es, erst einmal zu wissen, was man damit macht und welche Blätter eingesetzt werden dürfen. Das ist natürlich ein Ansporn, so schnell wie möglich zu lernen", erzählt Ronald Görick. Die Produkte, die hier angefertigt werden – vom Aufriss bis zum Aufbau – kommen hier alle aus der Hand der Schüler und finden auf Rad-, Reit- und Wanderwegen der Region oder in den Einrichtungen des ASB Lübben ein neues Zuhause.

Die Lernwerkstatt verfügt zusätzlich über einen gut ausgestatteten Sportraum, dabei gilt die Devise: Es wird genommen, was angeboten wird. Der Sportraum hat einen wichtigen Nebeneffekt: "Für unser Arbeiten ist es wichtig, den Problemen, die die Kinder mitbringen, auf den Grund zu gehen und diese abzubauen. Wenn die Kinder den ganzen Tag Frust schieben, ist es schwer mit ihnen zu arbeiten", erläutert Antje Streich.

Durch die Fördermittelzuwendung der EU werden ganz neue Perspektiven eröffnet. Die Durchführung des Projektes ist zwar eine Herausforderung, der sich Ellen Härtel stellen muss: "Aber ohne die Förderung wäre das hier alles so nicht möglich gewesen."