Testimonialprojekt in Altreetz | Märkisch-Oderland

Der Allrounder aus dem Oderbruch

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro können in der aktuellen Förderperiode (2007 bis 2013)  aus den EU-Fonds EFRE, ELER und ESF in die Zukunft Brandenburgs fließen. Neben dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) ist der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) einer der wichtigsten drei EU-Strukturfonds, die in Brandenburg viel bewirken. Der ELER wird genutzt, um Brandenburgs Agrarwirtschaft zu stärken. Die Fördermittel können – ergänzt um nationale, regionale und private Eigenmittel – vor Ort für Projekte eingesetzt werden, die das Land voranbringen. Die Entscheidung, welche Projekte förderwürdig sind, wird direkt und dezentral in Brandenburg getroffen.


Die Hofmanufaktur Filter hat im Jahr 2008 den Mostereibetrieb aufgenommen und wurde im Jahr 2009 um eine Brennerei erweitert. Seitdem produziert sie Fruchtsäfte und Obstbrände aus den Erträgen heimischer Streuobstwiesen. Neben dem Stammhaus in Neurüdnitz betreibt Inhaber Christian Filter im benachbarten Altreetz ein Landwarenhaus mit Hofladen, Bistro und Dienstleistungsangebot. In der Brennerei kann man live miterleben, wie aus Fruchtsaft Schnaps gebrannt wird. In Ihr und in der an den Betrieb angeschlossenen Obstschule wird zudem Fachwissen an interessierte Besucher vermittelt.

Stück für Stück hat Christian Filter sein vielfältiges Angebot aufgebaut und damit die dörfliche Region belebt und gestärkt. „Am Anfang war der Hof mit seinem alten Obstbaumbestand. Irgendwann reifte die Idee, diese wirtschaftlich nicht mehr genutzten Obstsorten zu erhalten, indem man etwas Schönes daraus macht. Da gab es eine Nische“, erklärt der Unternehmer. Den Grundstein zur Besetzung dieser Nische legte Filter im Schweinestall seines Hofs in Neurüdnitz, der erst mal umfangreich saniert wurde. Nach dem erfolgreichen Umbau schaffte Filter eine große alte Obstpresse an und begann, die „Grundvermostung für die Leute in der Gegend zu machen, die ihr eigenes Obst zu uns bringen.“

Christian Filter auf der Terrasse seines Hofcafès

Aus Streuobst von Pachtwiesen in der unmittelbaren Umgebung begann der Moster im nächsten Schritt, eigene Säfte herzustellen und zu vermarkten. Zu seinen Kunden gehören Bio-Läden, Feinkostgeschäfte und Restaurants in ganz Brandenburg und darüber hinaus. Im Herbst 2009 kam dann eine Brennerei dazu, in der die Hofmanufaktur Filter ihre feinen Obstbrände destilliert. Bald wurde der Schweinestall auf dem heimischen Hof zu klein und Brennerei, Hofladen und ein Teil des Lagers mussten ins wenige Kilometer entfernte Altreetz umziehen.

Unterstützt durch Mittel aus (ELER) wurden der Umbau des alten Schweinestalls, die Sanierung des Gutshofs in Neurüdnitz sowie der Einbau der Brennereianlage und die Einrichtung des Hofladens in Altreetz. „Wir haben uns von Beginn an darum gekümmert“, erinnert sich Christian Filter. „Der Herr Schmidt von der LAG aus Wriezen war unser Ansprechpartner für die EU-Förderung, der hat uns beraten.“ Die LAG ist die Lokale Aktions-Gruppe Oderland, die auf kommunaler Ebene die Mittel aus dem EU-Fonds vergibt. „Ohne die Förderung hätten wir da ganz anders rangehen müssen. Die Brennerei hätten wir sonst nicht stemmen können, schon gar nicht so schnell. Da haben die Mittel schon sehr geholfen.“ Ein so großes Projekt braucht natürlich seine Zeit: „Mit der ganzen Vorgeschichte hat es zwei Jahre gedauert. Dann von der Bewilligung bis zur Fertigstellung nochmal ein Jahr“, berichtet Filter.

Mittlerweile beschäftigt die Firma vier Angestellte aus der Region und bis zu 24 Saisonarbeiter zur Erntezeit. „Dann wollen wir noch jemanden zur Ausbildung als Brenner anstellen, denn bisher mache ich das allein“, sagt der Inhaber. In seinem Unternehmen achtet er nicht nur auf regionales, sondern auch auf nachhaltiges Wirtschaften. So verfügt er auch über eine Schafherde, die gerade kräftigen Zuwachs bekommen hat. Die Tiere beweiden die hofnahen Obstwiesen, fressen den anfallenden Apfeltrester – die unbrauchbaren Fruchtrückstände der Mostpressung – und liefern dafür eine sehr feine Wolle. Kreislaufwirtschaft nennt Christian Filter das Konzept, das eine solide Basis bietet für den „Versorgungsauftrag“, den er in der Region erfüllt. Letzterer wird dank stetiger Weiterentwicklung immer breiter und macht Filter zu einem richtigen Allrounder, der gleichzeitig Moster, Brenner, Landwirt und Dienstleister ist.

Dabei ist Christian Filter eigentlich gelernter Architekt. „Hier im Oderbruch leben wir seit 2001“, erzählt der heutige Chef der Hofmanufaktur Altreetz. In Berlin hätten er und seine Frau es irgendwann nicht mehr ausgehalten. „Bisher habe ich es nicht bereut, der Stadt den Rücken gekehrt zu haben. Zumal sie ja auch nicht weit weg ist. Für unsere Vermarktung ist Berlin vor der Haustür natürlich auch optimal. Man hat hier draußen die Ruhe und den Platz zum Produzieren und hat eben den Markt vor der Haustür“, sagt Filter.

Die erfolgreiche Umsetzung seines Vorhabens hat nebenbei auch sein Bild von der EU und ihrer Förderpraxis verändert. „Man hört ja immer davon, was alles so gefördert wird. Und da hab ich gedacht: Mensch, wir haben so ein tolles Projekt, wo auch viele andere was von haben.“ Dass es dann geklappt hat, habe „Vorurteile abgebaut, nach denen Fördermittel immer nur an irgendwelche privilegierten Projekte ausgegeben werden“, sagt Filter. „Ich finde das gut, dass es möglich ist, hier im ländlichen Raum unterstützt zu werden, wenn man ein vernünftiges Konzept hat. Auch wenn man sich andere Projekte anguckt, sind viele sinnvolle und interessante Dinge dabei, die einen Zugewinn für die Region bringen.“