Testimonialprojekt in Frankfurt/Oder

Schritt für Schritt zurück ins Arbeitsleben

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro fließen in der aktuellen Förderperiode 2007 bis 2013 aus den EU-Fonds ESF, EFRE und ELER in die Zukunft Brandenburgs. Allein mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden tausende Projekte gefördert. Beim ESF geht es immer darum, in Menschen und ihre Qualifikationen zu investieren. Neben dem ESF gibt es den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).


Das ESF-Projekt "Kompetent in Frankfurt" dient der Aktivierung von Langzeitarbeitslosen in der Oderstadt. Um jene wieder an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen, stehen vielfältige Angebote zur Verfügung, die individuell angepasst werden – je nachdem, was dem Einzelnen am besten hilft. Der Projektträger, die Deutsche Angestellten Akademie GmbH (DAA), führt das Projekt im Rahmen des Programms "Regionalbudget" neben seinem regulären Weiterbildungsangebot durch. Die Maßnahmen sind zeitlich begrenzt und dauern bei jedem Teilnehmer meist sechs Monate bis ein Jahr.

Computerkurs im Modellbüro in Frankfurt/Oder

Kathrin Hunger hat bei der DAA als Gesundheitscoach angefangen; seit vier Jahren ist sie nun Bereichsleiterin für Gesundheit und Soziales und zudem Projektleiterin von "Kompetent in Frankfurt". Als solche entwickelt und vermittelt sie "Strategien zum Abbau von gruppenspezifischen Vermittlungshemmnissen". Weniger formal ausgedrückt heißt das: Frau Hunger und ihr Team aus sechs Festangestellten und vielen freien Honorarkräften kümmern sich um Menschen aus der Region, die Anschub und Unterstützung brauchen, um wieder Arbeit zu finden. Das kann viele Gesichter haben: ein Sportkurs bringt körperliche Fitness, eine ästhetische Zahnarztbehandlung mehr Selbstvertrauen. Durch Gruppentreffen kommt man wieder unter Leute, im Modellbüro setzt man sich zusammen an den Computer.

Wer die nüchternen Räume der DAA betritt, merkt sofort, wie Kathrin Hunger sie mit ihrer Ausstrahlung aufhellt – sie wirkt wie jemand, der in der Lage ist, andere Menschen mitzureißen, zu aktivieren. Und das ist manchmal dringend nötig. Fast ihr ganzes Leben hat Hunger in Frankfurt an der Oder verbracht, sie kennt die Probleme dieser Stadt: Jobs sind weggebrochen, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Dadurch sind viele Menschen abgewandert; wer noch da ist und kein Einkommen hat, landet nicht selten im sozialen Abseits und hat irgendwann schlicht keine Lust mehr, etwas dagegen zu unternehmen. "Die Motivation ist oft sehr unterschiedlich", bestätigt Leiterin Hunger. "Wir haben Teilnehmer, die Angst haben und nicht mitmachen wollen. Und wir haben solche, die sich freiwillig melden."

Projektleiterin Kathrin Hunger und Projektteilnehmer Mario Pönisch

Zur zweiten Gruppe gehört Mario Pönisch. Nach einem Arbeitsunfall konnte der 48-jährige nicht mehr als Bauarbeiter sein Geld verdienen - von heute auf morgen musste eine Lösung her. Die kam im September 2012, als ihm das Jobcenter vorschlug, am Projekt "Kompetent in Frankfurt" teilzunehmen. "Ich hab' schon mehrere Maßnahmen mitgemacht", erzählt Mario Pönisch, doch erst das halbe Jahr bei der DAA brachte den Durchbruch. "Das hat mich interessiert. Ich hab' einen Bildungsgutschein bekommen, hab' dann ein Praktikum gemacht" - und plötzlich ging alles ganz schnell. Im März hat Mario Pönisch eine zweijährige Umschulung zum Koch bei einem Netzwerkpartner der DAA begonnen.

Die Leidenschaft fürs Kochen hatte schon länger in Mario Pönisch geschlummert - erst die Projektmaßnahme hat sie zum Vorschein gebracht, indem sie eine neue Berufsperspektive eröffnete. Denn an genau solchen, individuell unterschiedlichen Punkten setzt das Team von "Kompetent in Frankfurt" an und versucht, "verhärtete Lebensstrukturen aufzubrechen", wie es Frau Hunger formuliert. Beispiel Gesundheit: Welche Einschränkungen hat der Teilnehmer? Liegen Gutachten vor, läuft eine Behandlung? Gibt es ein Suchtproblem? Wie steht es um die Ernährung, wird Sport getrieben? Oder Bildung: Fehlt vielleicht ein "Schweißerpass" oder ein "Gabelstaplerschein" für einen Wiedereinstieg in den Beruf? Ist Weiterbildung am Computer nötig? Nach der Erfassung dieser Punkte wird der Verbesserungsbedarf ermittelt und dann ein persönlicher Plan erstellt. Gerade diese Möglichkeit, verschiedene Handlungsfelder nach Notwendigkeit und Interesse zu kombinieren, begeistere viele Teilnehmer, so Kathrin Hunger.

„Kompetent in Frankfurt“ bietet individuell zugeschnittene Weiterbildungen an – zum Beispiel für die Arbeit am Computer

Zugrunde lag dem Projekt die Beobachtung, dass die Zahl der physisch und psychisch erkrankten Arbeitslosen in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat - und dass die Problemfelder jedes Einzelnen stark miteinander zusammenhängen. "Daraus ist die Idee entstanden, die Bereiche Arbeitslosenförderung, Integration und Gesundheitsförderung zu kombinieren", erklärt Projektleiterin Kathrin Hunger. "Kompetent in Frankfurt" arbeitet für den einzelnen Teilnehmer, je nach Kapazität und je nach Umfang der notwendigen Maßnahmen. Dabei können natürlich nur so viele Teilnehmer betreut werden, wie das Budget erlaubt. Dieses umfasst 70.000 € aus Mitteln des ESF.

Das heißt: Ohne die Fördermittel bekämen Arbeitssuchende nur ein Minimum an Unterstützung. Für Kathrin Hunger ist das keine Alternative: "Die Mittel vom Jobcenter sind begrenzt und schließen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung nur bedingt ein. Die sind aber absolut notwendig und auch in Zukunft unverzichtbar. Mit Hilfe unseres Projektes und den Netzwerk-Kooperationen hier in Frankfurt kann man ganz viel bewirken. Ich kann mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht vorstellen, dass unsere Projekte irgendwann aufhören sollen - das wäre fatal."

Mario Pönisch würde das Projekt weiterempfehlen. Für ihn war es ein voller Erfolg - er macht jetzt eine Umschulung zum Koch.

So sieht das auch Mario Pönisch, der an dem Projekt teilgenommen und neben der neuen Berufsaussicht auch neue Kontakte gewonnen hat. "Es gab zum Beispiel ein Gemeinschaftsprojekt mit Besuchern aus Polen, Rumänien, Tschechien und Bulgarien. Wir haben jeden Tag gemeinsam gekocht und dann wurde an einer großen Tafel gemeinsam gefrühstückt und zu Mittag gegessen - das fand ich einwandfrei." Seine Botschaft ist klar: "Jedem Langzeitarbeitslosen würde ich das empfehlen! Man kommt wieder raus, man hat eine Aufgabe, man hört wieder was zwecks Bewerbung." Und dann stehe man wieder mitten im Leben. Für ihn war es ein voller Erfolg, sagt Herr Pönisch und strahlt.