Testimonialprojekt in Reichenwalde | Bad Saarow

Der Milchmann kommt auf leisen Sohlen

EU investiert in Brandenburg – jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro können in der aktuellen Förderperiode (2007 bis 2013) aus den EU-Fonds EFRE, ELER und ESF in die Zukunft Brandenburgs fließen. Neben dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) ist der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) einer der wichtigsten drei EU-Strukturfonds, die in Brandenburg viel bewirken. Der ELER wird genutzt, um Brandenburgs Agrarwirtschaft zu stärken. Die Fördermittel können – ergänzt um nationale, regionale und private Eigenmittel – vor Ort für Projekte eingesetzt werden, die das Land voranbringen. Die Entscheidung, welche Projekte förderwürdig sind, wird direkt in Brandenburg getroffen.


Der Milchhof Zwiebler ist ein Familienbetrieb in Reichenwalde bei Bad Saarow. Im Jahr 2012 lag er mit seinem Produktionsvolumen an vierter Stelle im landesweiten Vergleich. Nachdem in einer früheren Förderperiode der Neubau eines Viehstalls unterstützt wurde, hat das zuständige Amt Scharmützelsee nun die Zufahrtsstraße ausbauen lassen, die zum Betrieb führt.

Dafür wurde aktuell zum zweiten Mal auf Mittel des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) zugegriffen. Durch den modernen Landwirtschaftsweg gelingen die Anlieferung von Rohstoffen und der Abtransport der Milch nun mit deutlich geringerem Lärmpegel und deutlich höherem Fahrkomfort.

Milchbauer Frank Zwiebler ist glücklich über den Ausbau. „Vorher war es nur ein befestigter Weg mit Feldsteinen, das hat damals die Genossenschaft gemacht, mit so kleinen Klappersteinen und ein bisschen Sand oben drüber.“ Angesichts der starken Nutzung war dieser Zustand nicht mehr zukunftsfähig, handelt es sich doch um die Hauptschlagader des Betriebs.

„Durch den Weg gehen 80 Prozent unserer Transporte“, erklärt Zwiebler, „das Milchauto kommt alle zwei Tage und holt die Milch, das passiert immer nachts.“ Und da er Frischware anbietet, muss deren Abholung und Weiterverkauf reibungslos klappen „Unsere Milch wird nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gebracht, zu einem der größten Milchverarbeiter in Deutschland. Und dann gibt es auch noch die ganzen Wirtschaftsdünger, die angeliefert werden, 4.000 Liter Gülle zum Beispiel. Früher mussten die Lastwagen mit dem ganzen Staub hier hochstottern. Das ist schon besser jetzt. Und es wird auch vom Dorf gut angenommen.“

Für das Dorf spricht Frau Tannhäuser, Bauamtsleiterin des zuständigen Amts Scharmützelsee, und pflichtet Herrn Zwiebler bei. „Früher gab es immer Probleme vorne mit den Anwohnern. Die haben sich beschwert, dass es zu laut wäre. Klar, wenn die LKWs nachts kommen, ist das schon eine Lärmbelästigung. Das ist durch die Asphaltdecke, die wir reingezogen haben, viel besser geworden.“ Dabei hat die Gemeinde den Straßenumbau als Gemeinschaftsaufgabe begriffen. „Bei der Planung haben wir Anwohner mit ins Boot geholt, für Anregungen“, berichtet Amtfrau Tannhäuser. „Und natürlich hatten wir auch gute Unterstützung von Ulrike Friedrichs aus dem Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Von Ihr haben wir damals von der Möglichkeit zur Förderung erfahren.“

Unterstützt wurde das Projekt nämlich durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), als  Beitrag zur Qualitätssicherung und damit zur Stärkung des kommunalen Agrarbetriebs. „Wir haben eine kleine Planung machen lassen, den Förderantrag gestellt, haben dann auch die Bewilligung bekommen und innerhalb von zwei Monaten gebaut. Der gesamte Prozess hat bis zur Fertigstellung höchstens ein halbes Jahr gedauert, länger auf keinen Fall.“ Frau Tannhäuser hat gute Erinnerungen daran – und würde es jederzeit wieder so machen. „Es gibt ganz viele Projekte, die förderfähig wären. Aber wir sind erst mal zufrieden mit dem was wir bekommen haben und bekommen. Jeder Cent ist schon eine gute Sache. Und ohne Förderung ginge vieles einfach nicht.“

Dabei investiert Europa bereits zum zweiten Mal in die wirtschaftliche Zukunft der Gemeinde. „Den da hinten hab ich vor vier Jahren mit Hilfe von Fördermitteln gebaut“, sagt Milchbauer Frank Zwiebler und zeigt auf seinen Viehstall am Hofeingang. „Das war auch der ELER. Dreißig Prozent kamen damals von der EU.“ Auch dank nachhaltiger Maßnahmen wie dieser kann Zwiebler den tief in Brandenburg verwurzelten Familienbetrieb eines Tages an die nächste Generation weitergeben. Sein Sohn werde den Hof wohl übernehmen, vermutet der Vater. „Fachlich weiß er schon mehr als ich. Er hat hier gelernt und seine Ausbildung gemacht. Dann hat er noch eine Begabtenförderung bekommen für seine Meisterausbildung. Der hätte auch schon woanders arbeiten können, aber er hilft mir zum Glück hier im Betrieb.“

Und die gute Arbeit zahlt sich aus: Vom Landeskontrollverband Brandenburg hat Milchbauer Frank Zwiebler schon mehrere Auszeichnungen für besonders hohe Milchqualität erhalten. Darauf ist der Landwirt schon etwas stolz und zeigt die entsprechende Urkunde. Ob er nicht noch mehr Preise bekommen habe, fragt Frau Tannhäuser vom Amt Scharmützelsee und kennt die Antwort längst. „Ach, das sind so Auszeichnungen für hervorragende Milchqualität“, sagt Herr Zwiebler und winkt bescheiden ab. „Glückliche Kühe!“, wirft die Bauamtsleiterin ein. „Ach, glücklich“, erwidert der Bauer, „vor allem gesund sind sie! Wir geben uns einfach Mühe. Schließlich lebe ich von der Milch.“