Testimonialprojekt in der Region Finsterwalde

Eine Hand hilft der anderen

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro werden mit den EU-Fonds in der aktuellen Förderperiode 2007 bis 2013 in Brandenburg investiert. Allein mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden tausende Projekte gefördert. Beim ESF geht es immer darum, in Menschen und ihre Qualifikationen zu investieren. Neben dem ESF gibt es den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)


Das ESF-Projekt „Netzwerk Pflege und Beruf“ richtet sich an Berufstätige mit Pflegeverantwortung, vorwiegend in Handwerksunternehmen der Region Finsterwalde. Durch das Projekt werden diese Berufstätigen durch konkrete Angebote in ihrer Beschäftigungsfähigkeit unterstützt und deren Verbleib im Unternehmen gesichert. Gleichzeitig werden die Unternehmen dafür sensibilisiert, dass die Unterstützung ihrer Mitarbeiter auch dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit dient. Sie entwickeln für sich oder im Verbund mit anderen Unternehmen und einschlägig erfahrenen Dienstleistern Lösungen zur Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Pflege und setzen diese um.

Ellen Lösche (Projektleiterin) und Martina Bönisch (Projektmitarbeiterin)

Gegründet und aufgebaut wurde das Projekt von einem vierköpfigen Team um Projektleiterin Ellen Lösche. Die Idee dazu kam Frau Lösche durch ihre Arbeit als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Bei der Organisation von Schulungen habe sie festgestellt, „dass enormer Bedarf zur Unterstützung besteht“, berichtet sie. „Im Handwerk sind es meist familiäre Betriebe, da gibt es einen Juniorchef und einen Seniorchef, die kamen natürlich zu den Terminen. Die mitarbeitenden Ehefrauen konnten aber oft nicht teilnehmen, weil sie ihre pflegebedürftigen Angehörigen versorgt haben. Für sie bieten wir regelmäßige Schulungen zu alternativen Zeiten und beraten sie individuell. Unser Projekt sehen wir als Möglichkeit, Betroffenen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf Unterstützung zu geben.“

Martina Bönisch und Dörte Janitz (Projektmitarbeiterinnen)

Mit dieser thematischen Ausrichtung nimmt sich das Netzwerk gesellschaftlichen Herausforderungen der Region an: demografischer Wandel und Fachkräftesicherung. „Das sind keine Probleme der Zukunft, sie bestehen schon jetzt“, betont Projektmitarbeiterin Dörte Janitz. „Hier in der Region entstehen Initiativen, die eine Vorreiterrolle übernehmen können für andere Teile Deutschlands, in denen diese Entwicklungen erst später einsetzen werden. Projekte wie unseres sind notwendig, um frühzeitig auf Probleme reagieren und sie gestalten zu können.“

Tatsächlich zeigen aktuelle Studien, dass rund ein Drittel der Menschen, die im Land Brandenburg ihre Familienangehörigen pflegen, berufstätig sind. An diese im Bundesvergleich überdurchschnittlich große Gruppe richtet sich die INNOPUNKT-Initiative „Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege“ des Brandenburger Arbeitsministeriums. Bei einem Ideenwettbewerb bewarb sich die Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft mit ihrem Konzept für das Projekt „Netzwerk Pflege und Beruf“ und bekam – als eines von sechs geförderten Projekten – den Zuschlag.

Projektteilnehmerinnen

Unterstützt durch die ESF-Mittel hat das Projektteam verschiedene Dienstleistungsprodukte entwickelt, die auch nach Abschluss des Verbundprojektes Bestand haben werden. An Erwerbstätige richtet sich etwa der Handwerkerpool, ein Zusammenschluss von Handwerksunternehmen, in denen Chefs oder Mitarbeiter Angehörige pflegen. Bei gemeinsamen Treffen können sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen, mit Erfahrung, Expertise und ganz konkreten Hilfsangeboten.

Ein Beispiel für die Wirksamkeit dieser Unterstützung ist „der Betriebsinhaber einer Tischlerei“, berichtet Frau Lösche, „der einen Schlaganfall hatte, nach dem er nur noch zu 30 Prozent einsatzfähig war. Obwohl er die Aufträge nicht mehr allein mit seinen Mitarbeitern ausführen konnte, wollte er seinen Betrieb weiterführen. Über den Handwerkerpool hat er eine Betriebskooperation mit zwei weiteren Tischlereien gegründet. Für die Umsetzung solcher Kooperationen bieten wir dann auch Unterstützung an.“

Als weiteres Instrument zur Vernetzung gibt es den sogenannten Springerpool. Kommt es zu einer Erkrankung oder einem unfallbedingten Ausfall in einem Betrieb, übernimmt das Team um Ellen Lösche die Vermittlung einer Vertretung oder, bei längerfristigen Engpässen, eines überbrückenden Mitarbeiters. Im Springerpool finden sich hauptsächlich junge Auszubildende und Gesellen. „Dadurch haben Jugendliche immer wieder die Chance, praktisch tätig zu werden und wertvolle Erfahrungen zu sammeln“, erläutert Projektmitarbeiterin Dörte Janitz.

Vom Netzwerk entwickelt wurde außerdem der sogenannte Notfallordner. In ihm sind wichtige Informationen festgehalten, die in einer akuten Problemlage im Betrieb gebraucht werden: relevante Regelwerke wie das Familienpflegezeitgesetz, Wissen über Instrumente der Vorsorge sowie Adressen und Leistungen von Akteuren wie Pflegestützpunkten. Und schließlich gebe es einen Ombudsmann, einen Ansprechpartner für die Unternehmen bei Sorgen und Problemen, so Projektleiterin Ellen Lösche. Auch dieser sei eine nachhaltige Einrichtung, die in Zukunft bestehen bleibe, ergänzt sie – und während die Damen vom Projekt die Errungenschaften ihrer Arbeit beschreiben, bemerkt man ihren Stolz und ihre Begeisterung.

Genau wie ihre Überzeugung vom Nutzen europäischer Fördermittel: „Die Gelder des ESF waren für unser Projekt die Anschubfinanzierung. Die Produkte, die wir entwickelt haben, können jetzt unabhängig von den Fördermitteln fortbestehen“, unterstreicht Dörte Janitz. Ihre Kollegin Martina Bönisch nickt zustimmend. Durch Infrastrukturprojekte wird zudem die Wirtschaft angekurbelt: „Kleine Einöden oder Schlösser werden ebenfalls mit EU-Mitteln restauriert.. So ist auch wieder dem Handwerk geholfen, das dadurch Aufträge erhält.“ Die Branche profitiere darüber hinaus auch anderweitig von den Freiheiten innerhalb der Europäischen Union: „Dass ein Steinmetz nach Italien fahren kann, um sich vor Ort für die Verarbeitung einer bestimmten Steinart ausbilden zu lassen, wäre früher nicht möglich gewesen. Das ist etwas Besonderes – das geht nur dank der EU.“