Testimonialprojekt in Schenkenberg | Uckermark

Windkraft an der Tankstelle

EU investiert in Brandenburg – Jeder profitiert

Mehr als drei Milliarden Euro können in der aktuellen Förderperiode (2007 bis 2013) aus den EU-Fonds EFRE, ELER und ESF in die Zukunft Brandenburgs fließen. Neben dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) ist der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) einer der wichtigsten drei EU-Strukturfonds, die in Brandenburg viel bewirken. Der EFRE wird genutzt, um Brandenburg wettbewerbsfähiger zu machen. Die Fördermittel können – ergänzt um nationale, regionale und private Eigenmittel – vor Ort für Projekte eingesetzt werden, die das Land voranbringen. Die Entscheidung, welche Projekte förderwürdig sind, wird direkt und dezentral in Brandenburg getroffen.


In Schenkenberg bei Prenzlau betreibt die Firma ENERTRAG seit 2011 ein sogenanntes Hybridkraftwerk – nach eigenen Angaben das weltweit erste seiner Art. Eine solche Anlage kombiniert die Nutzung von Windkraft, Biogas und Wasserstoff als Energieträger und bietet damit eine flexible und bedarfsgerechte Stromversorgung mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

So steht die erzeugte Wärme der Stadt Prenzlau zur Verfügung, überschüssiger Wasserstoff den Autofahrern an speziellen Tankstellen in Berlin. Lösungen wie diese sind es, die im Zuge der Energiewende eine wichtige Rolle spielen werden – schließlich gilt es, sich auf Energiequellen einzustellen, die den Schwankungen der Natur unterworfen sind.

Das Hybridkraftwerk ist nach Angaben des Betreibers das weltweit erste seiner Art.

Projektpartner sind neben ENERTRAG, einem mittelständischen Unternehmen aus der Uckermark, auch die Energiekonzerne TOTAL Deutschland und Vattenfall sowie die Deutsche Bahn und die Brandenburgische Technische Universität (BTU) in Cottbus. Gefördert wird das Forschungskraftwerk aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit 3,21 Millionen Euro, weitere Gelder kommen vom Land Brandenburg und vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Werner Diwald ist Vorstandsmitglied der ENERTRAG AG und erzählt, dass bei ihm Telefonate aus aller Welt eingehen. "Ob das Amerika, China oder Japan ist", alle interessierten sich für das Pionierprojekt vor den Toren Prenzlaus. "Man sagt wirklich, hier ist ein wesentlicher Meilenstein getätigt worden, der unendlich viele Chancen in sich birgt. Ein Projekt wie dieses ist für den Lernprozess äußerst wichtig, um sagen zu können, wie Energiewirtschaft und Mobilitätswirtschaft zusammenarbeiten. Wie laufen Leistungsströme, auch Geldströme, wie muss man Ressourcenmanagement betreiben?" Die Antworten auf genau solche Fragen seien es, die das künftige Energiesystem umreißen, davon ist Diwald überzeugt. Langfristiges Ziel seien Konzepte für eine dezentrale Energieversorgung, insbesondere für dringend benötigte neue Formen der Speicherung. Wenn man es ernst meine mit der Energiewende, käme man zwangsläufig an den Punkt, an dem man solches Neuland beschreiten müsse, sagt der Manager.

Werner Diwald, Vorstandsmitglied der ENERTRAG AG.

Auf Neuland wagen sich die Projektbeteiligten durchaus. Mit dem einzigartigen Hybridkraftwerk erproben sie eine neue Form der Energieversorgung, vom Windrad bis zur Tankstelle sozusagen. Mit Windenergie aus Brandenburg wird auf chemischem Wege Wasserstoff produziert, den man im Gegensatz zu Strom auch einfach speichern kann. Dieser Wasserstoff wird dann, je nach Bedarf, auf zwei verschiedene Arten genutzt. "Wir haben vor Ort Blockheizkraftwerke, die mit Wasserstoff und Biogas gespeist werden. Die produzierte Wärme wird dann direkt nach Prenzlau weitergegeben", erklärt Werner Diwald. Das ist die eine Möglichkeit. Alternativ landet der Wasserstoff im Autotank: "In seiner reinen Form wird er in Tankern verpresst, nach Berlin transportiert und dann an der TOTAL-Wasserstoff-Tankstelle in entsprechend ausgerüstete PKWs vertankt." Drei Fliegen mit einer Klappe: zu viel produzierte Windenergie wird gespeichert, Prenzlau nutzt sie zum Heizen, Berliner Autofahrern dient sie als Antrieb.

Die Anlage kombiniert die Nutzung von Windkraft, Biogas und Wasserstoff als Energieträger.

"Solch ein Projekt ist der Grundstein für die Energiewende", sagt Diwald nicht ohne Stolz. "Ohne die Entwicklung solcher Technologien wird die Energiewende in Deutschland – und auch weltweit – nicht funktionieren." Die Zusammenarbeit der Verbundpartner sei dafür enorm wichtig, fügt er hinzu, und ebenso die Förderung aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). "Da so ein Vorhaben sehr kapitalintensiv ist, sind wir gerade als mittelständisches Unternehmen auf Fördermittel angewiesen. Wir haben uns vor dem EFRE-Antrag umfassend mit der Technologie auseinandergesetzt. Wir haben zunächst eine Analyse gemacht, bei der wir zu dem Schluss gekommen sind, dass Wasserstoff die einzig richtige, großformatige Lösung ist." Entsprechend groß sei die Freude gewesen, als das Land sein grünes Licht gab. "Dass es dann bewilligt worden ist, ist ein Zeichen, dass man das unbedingt umgesetzt haben wollte."

Auf der Suche nach Know-How ist ENERTRAG dann schnell auf die Fachhochschule Stralsund im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern und auf die BTU Cottbus gekommen, die auch mit eigenen Projekten an der Energiewende arbeitet. Mit der Universität möchte die Firma auch längerfristig zusammenarbeiten – weitere gemeinsame Projekte sind bereits in Planung. Auch das Prenzlauer Pionierprojekt soll nach Ablauf der Förderperiode bestehen bleiben. "In welchem Umfang, ist abhängig von einer weiteren Förderung und von einem Marktdesign", erläutert Manager Diwald. "Wir werden auf jeden Fall weiter arbeiten und weiter lernen. Wir würden den Standort gern durch ein neues EFRE-Projekt so erneuern und ertüchtigen, dass man ihn für Speicherenergie nutzen kann."

Die Projektpartner arbeiten an der Energiewende - gefördert durch den EFRE.

Apropos Standort: Wieso eigentlich die Uckermark? "Wir haben das Projekt einerseits hier angesiedelt, weil wir wussten, dass wir dadurch eine sinnvolle Wärmenutzung für Prenzlau aufbauen können. Andererseits ist hier in der Nähe auch der Stammsitz unseres Unternehmens. Dort sind die Leute, die es kompetent betreuen können." Fünfzehn Personen sind in seinem Betrieb permanent mit dem Thema beschäftigt. Wenn es nach Werner Diwald ginge, könnten es noch mehr sein: "Vielen ist noch nicht richtig bewusst, dass man hier in Brandenburg die Möglichkeit hat, eine industrielle Revolution zu vollziehen, dass man hier im Endeffekt nachhaltig Arbeitsplätze schaffen kann, um an dieser Energiewende stärker zu partizipieren, als man es bisher getan hat. Da müssen die Geister noch so ein bisschen geweckt werden", sagt er voller Eifer. "Man sollte hier ruhig etwas selbstbewusster sein, mit stolzer Brust nach vorne schreiten und sagen: Wir machen hier die Energiewende und wir zeigen ganz Deutschland, wie das geht!"